Wenn Du durch Wander- und Outdoorblogs wie diesen stöberst, bist Du ganz aufgeregt: Fasziniert liest Du die Berichte und wünschst Dir nichts sehnlicher, als diese Abenteuer selbst zu erleben. Aber da ist etwas in Dir, das Dich zurückhält: Du machst Dir Sorgen, was alles passieren könnte. Irgendwie fehlt Dir der Mut, den Rucksack zu packen, allein durch die wilde Natur zu wandern und vielleicht sogar zu zelten. 

Wenn Du Dich beim Lesen dieser Zeilen wiederentdeckst, dann ist dieser Beitrag, wie für Dich gemacht. Ich gebe Dir Tipps, wie Du den Mut finden kannst, Dich endlich zu trauen, die Abenteuer zu erleben, von denen Du schon so lange träumst.

Gleich im Anschluss an diesen Gastbeitrag von Wandercoach Christin Berges findest Du noch ein ergänzendes Statement von COUCHFLUCHT zum Thema Wandern und Angstbewältigung.

Weil mir diese Angelegenheit so am Herzen liegt. Und weil ich da aus ganz eigener Erfahrung einiges zu beitragen kann…


Es muss nicht gleich die zweiwöchige Trekkingtour durchs wilde Schweden sein. Fang erst einmal klein an. Sicher gibt es in Deiner Nähe einen schönen Wald, durch den Du spazieren kannst. Vielleicht bist Du erst ein wenig aufgeregt, allein unterwegs zu sein. Aber Du wirst schnell merken, wie beruhigend der Wald auf uns Menschen wirkt. 

Diverse Studien aus aller Welt haben gezeigt, welche positiven Effekte es auf uns hat, wenn wir in der Natur unterwegs sind: Unser Stresslevel sinkt, wir fühlen uns selbstbewusster und stärken gleichzeitig unser Immunsystem. Auch unser Körper reagiert auf den Wald: Unser Herz schlägt langsamer, unser Blutdruck sinkt und unsere Muskeln entspannen sich.   

So hilft Dir jede Wanderung in der Natur ein bisschen mutiger und selbstbewusster zu werden.

Wandercoach Christin Berges auf dem Wanderweg Kepler Track in Neuseeland
Christin hat Coaching und Wandern miteinander verbunden und zu ihrem Beruf gemacht.

Achtsamkeit vertreibt Zukunftssorgen

Oft haben wir Angst vor Dingen, die in der Zukunft liegen. Wir grübeln stundenlang und malen uns die schlimmsten Szenarien aus, was alles passieren oder schief gehen könnte. Was all diese Szenarien sonst gemeinsam haben? Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals eintreten. 

Ein wirksames Mittel gegen Horrorfilm-Kopfkino ist Achtsamkeit. Was bedeutet das? Wenn Du achtsam bist, lenkst Du Deine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den aktuellen Moment. Das gelingt beim Wandern in der Natur besonders gut.

 

Du kannst Dich zum Beispiel für eine Weile hinsetzen und Schmetterlinge oder andere geschäftige Insekten beobachten.

Oder Du konzentrierst Dich auf die Geräusche, die Du im Wald hören kannst. Wo kommen sie her? Aus welcher Richtung zwitschert der Vogel? Wo könnte der Baum stehen, der leicht im Wind knarzt?

Du kannst Deinen Fokus auch auf den Wind lenken, den Du auf Deiner Haut spürst. Frag Dich: Ist er warm, ist er kalt? Wie fühlt er sich auf Deiner Haut an? 

Je häufiger Du übst, achtsam zu sein, desto leichter wird es Dir auch in Deinem Alltag fallen, mit Deinen Gedanken im hier und jetzt zu sein. Damit bleibt kaum Raum für Zukunftssorgen.  

Felsformationen und herbstliche Wälder in der Sächsischen Schweiz
Auch die imposanten Felsformationen der Sächsischen Schweiz kannst Du bei einem Wandercoaching erleben.

Verändere Deinen Fokus, um Bedenken auszuräumen

Bestimmt hast Du bereits eine konkrete Idee, welches Abenteuer Du gern mal erleben würdest. Vielleicht wünscht Du Dir nichts mehr, als einmal klettern zu gehen oder eine mehrtägige Wanderung zu machen. Immer wieder ploppen Sorgen und Bedenken in Deinem Kopf auf, die Dich bisher davon abgehalten haben, Dein Abenteuer zu erleben.

Zunächst einmal: Verurteile Dich nicht für Deine ängstlichen Gefühle. Nimm sie liebevoll an, statt gegen sie zu kämpfen, sonst werden sie in Deinem Kopf nur noch größer. Schreibe stattdessen zu jeder Sorge, die Du hast, einen kurzen Satz auf. Dann formuliere darunter einen Satz, der beschreibt, welches positive Erlebnis Du stattdessen haben könntest.

Als Beispiel: 

 

Ich könnte mich verletzen.
Ich bin von Tag zu Tag fitter und gönne mir entspannt Pausen, wenn mein Körper sie braucht.

Achte darauf, dass Du die positiven Erlebnisse im Präsenz formulierst. Auf diese Weise kann sie Dein Unterbewusstsein besser verarbeiten. 

Du hast es in der Hand, worauf Du Deinen Fokus legst. Auch hier ist etwas Übung nötig – schließlich ist es Dein Gehirn gewohnt, sich auf die negativen Aspekte zu konzentrieren. Doch je mehr Du übst, desto leichter wird es Dir fallen, all die schönen Seiten zu sehen, die ein Abenteuer mit sich bringt. 

Einsamer Waldweg beim Wandercoaching in der Sächsischen Schweiz
Herrliche Waldwege beim Wandercoaching in der Sächsischen Schweiz

Füttere Deinen Mut mit positiven Bildern   

Unsere Mut-Zentrale steht in engem Austausch mit unserem Unter-bewusstsein. Damit sie Dir ihr Go gibt, solltest Du Dein Unterbewusstsein auf Deiner Seite wissen. Mit Deinem Unterbewusstsein kannst Du am einfachsten über Bilder und Emotionen kommunizieren. Statt des Horrorfilm-Kopfkinos legst Du den perfekten Abenteuerfilm für Dich ein.

Dafür stellst Du Dir Dein Outdoor-Erlebnis ganz genau vor – und zwar in der Version, wie es besser nicht laufen könnte. Lass Deiner Fantasie freien Lauf:

 

Was erlebst Du? Wen lernst Du kennen? Was siehst Du?

Tauche mit allen Sinnen in die Situation ein:

Was kannst Du hören? Was riechst Du? Vielleicht gibt es sogar etwas zu schmecken?

Und auch auf Deine Emotionen solltest Du Dich fokussieren:

Wie fühlst Du Dich, wenn Du unterwegs bist? Wie fühlt sich Dein Körper nach einem langen Wandertag an? Was empfindest, wenn Du Dich traust, Deinen Traum zu realisieren?

 

Schließe dafür Deine Augen und lass Dein gewünschtes Erlebnis, wie einen Film vor Deinem inneren Auge ablaufen. Du wirst sehen, wie gut sich das anfühlt und wie sehr es Deinen Wunsch, Dein Abenteuer tatsächlich zu erleben, verstärken wird.

Wandercoach Christin Berges von
Echte Bergliebe - Auch Christin fand beim Wandern den Mut, ihren Weg zu gehen.

Diese Technik des Visualisierens wenden auch viele Spitzensportler an. Sie stellen sich bereits vor dem Wettkampf vor, wie sie als Erster über die Ziellinie laufen und bringen sich damit in den Gewinnermodus.

Ein kleiner, aber sehr effektiver Trick für unser Gehirn: Es kann nämlich nicht unterscheiden, ob wir etwas tatsächlich erleben oder uns nur vorstellen. Deswegen bekommen wir auch Angst, wenn wir uns vorstellen zu klettern und dabei abzurutschen. De facto ist das nur in unserem Kopf passiert, unser Körper reagiert trotzdem darauf, als wäre es real.

Drehen wir den Spieß um – inszenieren wir stattdessen positive Erlebnisse in unserem Kopf, können wir daraus Mut, Kraft und Selbstvertrauen gewinnen, unsere Träume endlich zu leben.


Wie ich beim Wandern den Mut fand, meinen Weg zu gehen

Vor 2,5 Jahren entdeckte ich eine neue Leidenschaft. Ich war gerade auf Weltreise, als ich in Tasmanien und Neuseeland zu meinen ersten mehrtägigen Wanderungen aufbrach. Auf dem Three Capes Track hatte es bereits heftig gefunkt und auf dem Kepler Track war es dann vollends um mich geschehen. Ich liebte es so sehr, jeden Tag mit meinem Rucksack unterwegs zu sein, um die wilde Natur zu entdecken.

Seitdem ist das Wandern aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Beim Wandern im Südwesten der USA kam mir das erste Mal die Idee, als Coach zu arbeiten. Einige Monate später bei einem Spaziergang in Berlin, wurde mir klar, dass ich Coaching und Wandern verbinden möchte. Letztes Jahr auf dem West Highland Way in Schottland entschied ich mich, meinen Job in der Kommunikation zu kündigen und mich als Wandercoach selbstständig zu machen. 

Christin Berges unterwegs auf dem Wanderweg Kepler Track in Neuseeland
Auf dem Kepler Track in Neuseeland entdeckte Christin ihre Leidenschaft fürs Wandern.

Wandercoaching  – Meine Unterstützung für Dich

Heute ist Wandern aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Als Wandercoach unterstütze ich Menschen dabei, Antworten auf persönliche Lebensfragen zu finden und mutig ihren Weg zu gehen. Oft geht es um die Frage, wie es beruflich weitergehen soll.

Einige meiner KlientInnen haben bereits eine Idee, was sie erfüllen würde. Aber es fehlt ihnen der Mut, für ihre Träume loszugehen. Zu groß sind die Sorgen, was alles schief gehen könnte.

In meinem Wandercoaching gehen wir raus in die Natur, um uns die Wege und Möglichkeiten meiner KlientInnen ganz genau anzuschauen. Und es gibt immer einen Weg.

Daher möchte ich Dir zum Abschluss noch einmal Mut machen: Wenn Du ein Abenteuer hast, das Du unbedingt erleben möchtest, dann bleib da dran. Es ist völlig normal, dass wir uns Sorgen machen – selbst bei Dingen, die wir uns wünschen.

Wichtig ist, dass Du einen Weg für Dich findest, wie Du Dein Abenteuer trotzdem entspannt genießen kannst. Ich hoffe, dass ich Dir mit meinen Tipps und Übungen ein bisschen Mut machen konnte. 

Wenn Du Dir weitere Unterstützung wünschst oder Fragen hast, freue ich mich sehr, wenn Du mir schreibst. Gerne über meinen Instagram-Kanal @hike_inspired oder meine HIKE INSPIRED Website.

Wald und Wildnis beim Wandercoaching im Harz
Beim Wandercoaching im Harz kannst Du die positiven und stresslösenden Effekte des Waldes erleben.

Autorenbox

„Ich bin Christin und liebe es, draussen in der Natur unterwegs zu sein. Als Wandercoach unterstütze ich Dich dabei, wichtige Entscheidungen für Dein Leben zu treffen und Antworten auf persönliche Lebensfragen zu finden.

Gemeinsam gehen wir raus in die Natur, um ganz bei Dir und Deinem Thema anzukommen. So findest Du Deinen Weg, der zu Dir passt und Dich happy macht.“

Bei Interesse an einem Wandercoaching mit Christin schau gerne auf ihrer Website Hike Inspired vorbei.

Wandercoach Christin Berges von
Wandercoach Christin Berges von "Hike Inspired"

COUCHFLUCHT – STATEMENT:  Die Angst darf gerne mitwandern

Was Christin als Wandercoach auf die Beine gestellt hat, finde ich großartig. Für mich ist schon das Wandern und Draußensein an sich beflügelnd und die beste Therapie für Körper, Geist und Seele. Das Ganze mit einem Coaching zu verbinden, raus in die Natur zu gehen und dabei seinen eigenen Weg zu finden, hört sich für mich nach der perfekten Kombi an.

Christins Wandercoaching-Motto „Raus in die Natur, rein ins selbstbestimmte Leben“ passt bei mir tatsächlich wie die Faust aufs Auge, weil ich durch die gleiche harte Schule gegangen bin.

Kommen wir nun also zum Seelen-Striptease.

Puh, einmal tief Luft holen. Wer entblößt schon gerne die dunkelsten Abgründe seiner Seele, wenn ihn keiner dazu zwingt? Nun ja, ich mache es trotzdem. Weil ich hoffe, dass meine Geschichte wenigstens einem Menschen dabei helfen kann, seine Ängste zu überwinden. Und weil ich mehr und mehr das Bedürfnis verspüre, offen damit umzugehen.

Seit Jahren, nein eher Jahrzehnten, leide ich unter einer ausgeprägten Angststörung. Ich meine damit nicht so eine spezifische Phobie, wie zum Beispiel Spinnenangst, Flugangst oder anderer solcher konkreten Dinge, die man „anfassen“ kann. Ok, Spinnen find ich trotzdem nicht so prickelnd, aber dazu an anderer Stelle mehr… 😉

Couchflucht Sabrina Bechtold wandert auf Wanderweg
Ein langer Weg vom Angsthasen zum Abenteurer...

Wie alles begann

Bei mir ging der Spaß vor mehr als zwanzig Jahren in einer stressigen Lebensphase mit heftigen Panikattacken bei Großveranstaltungen und Menschenansammlungen los. 

Und zwar vom Allerfeinsten. Mit Herzrasen, Erstickungsgefühlen, Schwitzen, Zittern und allem, was so dazugehört. So dass ich nicht eine Sekunde Zweifel daran hatte, dass gerade der Tod mal eben „Hallo“ sagen will.

Ehrlich, eine solche Panikattacke würde ich noch nicht mal meinem ehemaligen Physiklehrer wünschen, und das heißt schon was…

Das Ganze hat sich dann mit der Zeit zu einer Abwärtsspirale wie aus dem Lehrbuch verselbständigt. Wie ein gehetztes Tier auf der Flucht stand ich unter Dauerstrom. Rund um die Uhr in Alarmbereitschaft, mich selbst ängstlich beobachtend, habe ich praktisch nur noch auf die nächste Panikattacke gewartet. Bis es dafür gar keinen bestimmten Auslöser mehr brauchte. Die Angst und ich waren wie siamesische Zwillinge. An einen „normalen“ Alltag war gar nicht mehr zu denken, und doch habe ich immer versucht, meine Ängste zu verstecken, weil ich mich furchtbar dafür geschämt habe. 

Klar, dass dieses Vertuschen, die ganze – fast oscarreife -Schauspielerei und das Versteckspiel erst recht meine Energie, die ja eigentlich gar nicht mehr vorhanden war, eingefordert hat. Die logische Konsequenz: Burn-Out, massivste Schlafstörungen, Depressionen – das volle Psycho-Programm.

Bergpanorama in den Nockbergen auf dem Alpe-Adria-Trail
Wandern entfernt uns von den Zwängen und bringt uns dem Wesentlichen näher.

Körper gegen Kopf

In den folgenden Jahren rannte ich von Arzt zu Arzt. Klinik-Aufenthalte, Gesprächstherapien, Psychopharmaka – ich griff nach jedem Strohhalm.  Wollte alles tun, um die fiesen Monster in in meinem Kopf loszuwerden und wieder sowas wie Leichtigkeit in meinem Leben zu fühlen.

Mittlerweile war es so schlimm, dass ich furchtbare Angst davor hatte, Auto zu fahren, in Restaurants zu gehen, im Büro angesprochen zu werden, geschweige denn vor anderen Menschen zu reden. Eine einfache Gruppenrunde auf der Arbeit wurde für mich zum Alptraum, in dem mein Hirn auf Notstrom schaltete.

Es gab zwischendurch auch immer wieder Zeiten, in denen es mir besser ging, in denen die Ängste immerhin erträglicher waren.

Aber eines war sicher, sie kamen immer wieder zurück zu mir. Wie ein besonders zielsicherer Bumerang.

Ok, ich will nicht länger lamentieren und noch weiter ausholen. Ich fühlte mich jedenfalls als Härtefall und hatte keine große Hoffnung mehr, dass sich an diesem Zustand irgendwann jemals etwas entscheidend ändern würde.

Nach einer sehr schmerzhaften Trennung und einer Zeit, in der ich mich bestenfalls noch als Wrack bezeichnet hätte, kam dann jedoch alles anders.

Couchflucht Sabrina Bechtold genießt den Ausblick auf den Millstätter See.
Mehr wandern - weniger Sorgen!

Ein Lichtblick und die ersten Draußen-Experimente 

Der Lichtblick war meine neue Partnerschaft, in der ich mich zunächst versuchte in die gleichen altbekannten Muster zu flüchten. Bloß nicht alleine sein, alle Verantwortung auf meinen Partner abwälzen – das arme, kleine Mädchen in seiner Opferrolle…

Die Krux bei der Sache: Mein Partner hat sich schlicht und einfach geweigert, das mitzumachen. Eine Liaison mit einem Individualisten, dem sein persönlicher Freiraum total wichtig ist – konnte das gut gehen?

Ich liess es auf einen Versuch ankommen, lernte selbstständiger zu werden und mich selbst und meine Ängste auszuhalten. Das war am Anfang fast unerträglich für mich und wirklich die härteste Schule, die ich durchlaufen konnte.

Im Nachhinein allerdings das Beste, was mir passieren konnte.

Konnte ich es zu Beginn der Beziehung noch kaum ertragen, eine Nacht alleine zu verbringen, wagte ich bald die ersten Experimente.

Eine kleine Fahrradtour nach der Arbeit war ein solches Wagnis, bei dem ich mir nicht ansatzweise vorstellen konnte, dieses genießen zu können. Was anfangs mehr als gewöhnungsbedürftig und angsteinflößend war, wurde jedoch mit der Zeit und zunehmender Übung immer besser. Nie werde ich den Moment vergessen, als ich auf einer Halbtags-Mountainbike-Tour eine Pause auf einer Wiese einlegte, in die Weite sah und plötzlich feststellte, dass es mir gut geht. Was so banal klingt, war für mich eine Sensation. 

Dass ich alleine dazu in der Lage war, die Natur um mich herum zu genießen, erfüllte mich mit riesiger Dankbarkeit.

Couchflucht Sabrina Bechtold wandert in den Nockbergen auf dem Alpe-Adria-Trail
Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt.

Mut-Probe: Die Entscheidung für mein Outdoor-Abenteuer

Und so kam ich mehr und mehr auf den Geschmack, traute mich Schritt für Schritt immer längere Wanderungen oder Bike-Touren alleine zu unternehmen. Ich fing tatsächlich an meinen eigenen Weg zu gehen und wurde achtsamer für mich und meine Umgebung.

Die frische Luft machte meinen Kopf freier, die Bewegung brachte mir innere Ruhe und Seelenfrieden, und die Weite der Landschaft schenkte mir neue Perspektiven.

Schließlich wollte ich es mir selbst beweisen und auf eine längere Entdeckungsreise gehen. Schon lange spukte eine Solo-Weitwanderung in meinem Kopf herum, aber es dauerte noch mehrere Monate, bis ich dann tatsächlich den Mut dazu fasste.

Genau vor einem Jahr machte ich mich auf den Weg, den Alpe-Adria Trail zu wandern. 750 km alleine – vom Gletscher des Großglockners über Kärnten und Slowenien bis ans Meer, dem Städtchen Muggia an der italienischen Adria.

Diese Erfahrung werde ich nie vergessen, weil sie mich so unglaublich bereichert hat und ich so viele meiner Ängste während der Fernwanderung überwunden habe. Vor allem die Angst vor dem Alleinsein, die mein Leben bis dato so geprägt hatte.

Mit jedem Schritt auf meiner Wanderung fasste ich mehr Zuversicht und entwickelte Vertrauen in mich und meinen eigenen Weg. Fernab des Alltags konnte ich neue Kraft tanken und ganz bei mir ankommen. Die Auszeit gab mir die Gelegenheit, mich selbst zu hinterfragen und meine Zukunft zu visualisieren.

Alpe Adria Trail Nockberge Landschaft in Kärnten
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

LESETIPP

Meine Solo-Weitwanderung auf dem Alpe-Adria-Trail war bislang zweifelsohne mein größtes Outdoor-Abenteuer. All meine Erfahrungen und Erlebnisse unterwegs auf diesem Fernwanderweg habe ich ausführlich beschrieben. Lies hier, wie es mir auf den ersten drei Tagesetappen ergangen ist.

Hohe Tauern – Wandern auf dem Alpe-Adria-Trail Etappe 1-3


Mit der Angst auf Wanderschaft

Und alles, was ich dafür tun musste, war einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich erkannte, dass alles immer weitergeht, selbst wenn ich glaubte mich verlaufen oder in einer Situation verrannt zu haben. Ich kam trotz allem letztlich jeden Tag an meinem Etappenziel an, egal wie viele Umwege ich gemacht hatte, und egal wie sehr meine Füße auch schmerzten. 

So simple und scheinbar banale Erkenntnisse waren es, die ich auf mein gesamtes Leben übertragen konnte und die mir den Mut schenkten, meine eigenen Ziele zu verfolgen.

Die Schönheit der Natur, der Duft des Waldes, der weiche Boden unter meinen Wanderschuhen und die unglaubliche Weite der Bergwelt taten ihr übriges dazu.

Ich würde niemals behaupten, dass ich seitdem alle meine Ängste überwunden habe und nun völlig angstfrei lebe. Auch während meiner Weitwanderung gab es so einige Momente, in denen mir mehr als nur mulmig zumute war.

Die Angst wanderte teilweise vor, hinter oder neben mir, mal in weiter Ferne, mal direkt an meiner Seite – aber meistens eben Hand in Hand mit mir. Was vielleicht kitschig und unrealistisch klingt, war letztlich der Schlüssel.

Sie durfte mit auf Wanderschaft kommen. Ich habe sie kommen und gehen lassen, ihr ihren Freiraum gegeben und sie einfach sein lassen.

Couchflucht Sabrina Bechtold am Großglockner auf dem Alpe-Adria-Trail
Gib einem Mädchen die richtigen Schuhe und sie kann die Welt erobern!

Vom Angsthasen zum Abenteurer

Ich wünsche mir, dass Dir meine eigene Geschichte – die noch lange nicht zuende ist – Mut macht. 

MUT,

  • … Deine eigenen Outdoor-Abenteuer zu erleben und alleine auf Wanderschaft zu gehen.
  • … Deinen eigenen Weg zu finden, Deine Ziele zu verfolgen und Du selbst zu sein.
  • … Deine Ängste zu überwinden und daran zu glauben, dass Du es schaffst.

Denn eines ist sicher: Wenn ich das schaffe, kannst Du das auch!

Ich hoffe, dass Du wie ich erfährst welche heilsame Wirkung das Wandern in der Natur hat.

Scheue Dich nicht davor, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Deine Hürden zu überwinden. 

Christins Wandercoaching kann Dich dabei unterstützen, Deinen eigenen Weg zu finden und Steine beiseite zu räumen.

Couchflucht Sabrina Bechtold Weitwanderung Alpe Adria Trail Duino
Was für ein Gefühl! Ich habe das Meer erreicht auf meiner Weitwanderung auf dem Alpe-Adria-Trail!

LESETIPP

Auch meine Blogger-Kollegin Miriam vom Reiseblog „Nordkap nach Südkap“ hat eigene Erfahrungen mit Depressionen gemacht und schreibt in ihrem persönlichen Beitrag, wie es für sie ist, mit ihrer Krankheit zu reisen und wobei ihr das Reisen hilft.

Reisen mit Depressionen: Unterwegs mit meinem schwarzen Hund


Dieser Seelen-Striptease ist mir wirklich alles andere als leicht gefallen. Leider ist es noch immer so, dass Angst ein gesellschaftliches Tabuthema ist und oft negativ besetzt ist. Viele akzeptieren eine Angststörung nicht als Krankheit, bagatellisieren die Symptome oder machen sich darüber lustig. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen offen darüber reden und sich nicht gezwungen fühlen, ihre Störung zu verbergen.

Hast Du vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht? Tut Dir Bewegung in der Natur und das Wandern auch so gut wie mir? Hast Du vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, eine Weitwanderung zu unternehmen?

Ich kann Dir nur raten, nicht länger zu überlegen und Dich zu trauen, Deinen Weg zu gehen. Hab Mut zu deinem Outdoor-Abenteuer!

 

Liebe Grüße,

Deine Sabrina